Schottland hat es nicht anders gewollt!  

Dieses unglaubliche Land hat mich bei meinem 1. Besuch derart fasziniert, dass ich ihm auf meiner Homepage einen eigenen Part widmen möchte und hier also meine Reiseberichte veröffentliche für alle, die sich noch nicht sicher sind, ob sie dringend mal nach Schottland fahren sollten. Mein Fazit dazu: Ihr solltet unbedingt! ;)

Reisebericht meiner Schottland-Tour 2008

20. Juli 2008

Motto des Tages: Wenn einer eine Reise tut, dann hat er besser Gesellschaft.

Nachdem ich noch in der Nacht von einem Gig mit KRaG aus Ulm zurückgefahren war, hatte ich mich noch für eine knappe Stunde auf einem Autobahnrastplatz aufs Ohr gelegt. Ich war einfach zu müde von den beiden Auftritten in Münster/Lech und im “Biergarten zum Liederkranz“ in Ulm, wo es immerhin auch bis 0:30 Uhr rund ging und wir eine Stunde später dann endlich alles verpackt hatten und losgedüst waren.

So gegen 5:00 Uhr erreiche ich dann endlich Wiesbaden und lege mich noch mal für wenige Stunden ins Bett. Für das erholsame Pennen im Auto bin ich scheinbar doch schon etwas zu alt geworden.

Am frühen Mittag verstaue ich das Gepäck für die nächsten 14 Tage und davon hat die beste Frau auf der Welt nicht wenig! Da wir - zumindest bis in das Weserbergland - auch noch den Herrn Hund und sein Futter mitnehmen, erweist sich der Erwerb der Dachbox zum 1. Mal als wirklich sehr nützliche Anschaffung: Gitarre, Ständerwerk und Kleinkram verschwinden auf diese Weise aus dem Fahrgastraum und Snoopy hat dadurch auch mehr Platz.

Wir kommen gegen 18 Uhr nach einer ziemlich ermüdenden Fahrt im Weserbergland an. Die Autobahn, besonders natürlich wie immer wieder die A5, war trotz Lkw-Fahrverbot am Sonntag ziemlich voll, und kurz vor dem Etappenziel wurden wir dann auf der Landstrasse wegen einer Vollsperrung infolge eines Unfalls auch noch ziemlich durch die Pampas geschickt, bevor wir dann endlich bei Ulrike und Herbert ankamen, unseren Hundesittern für die nächsten 14 Tage.

Nach einem ausgiebigen, schmackhaften  und übrigens auch sehr preiswerten Abendessen im “Bahnhof” in Hehlen entdecken die beiden Damen, dass sie die Leidenschaft für Mode und vor allem für das Stricken teilen. Herbert und ich gucken uns grinsend an: Um die brauchen wir uns unterhaltungstechnisch heute nicht mehr kümmern. Also schenkt Herbert erstmal ein selbstgebasteltes Schlehenfeuer ein. Sehr lecker, weiter so!

  

21. Juli 2008

Motto des Tages: Wer links fährt, muß noch lange nicht verkehrt sein.

Da ich morgens - zumindest bisher - ohnehin nicht viel esse, nehme ich nur einen Kaffee und es geht bald darauf auf die Piste Richtung Ärmelkanal. Der Abschied von Snoopy fällt relativ leicht, weil er es gut bei Uli und Herbert hat und weil er dort den ganzen Tag mit Mogway, einer ziemlich lebhaften Hundedame, spielen kann.

Bei ziemlich regnerischem Wetter fahren wir durch das Weserbergland und das Ruhrgebiet. Na klasse, da gewöhnt man sich ja dann schon mal an schottische Witterungsverhältnis. “Macht nix!” sage ich mir und: “Junge, Du hast Urlaub, gönne Dir halt mal was!” Also gönne ich mir was und schalte die Sitzheizung ein. Und finde es deutlich erträglicher.

In Venlo machen wir auf der Autobahnraststätte kurz Halt, stellen aber recht schnell fest, dass dies wohl nicht das Ambiente ist, das wir uns für ein gemütliches Mittagessen vorgestellt haben. Der Rastplatz macht schon von außen einen ziemlich verwahrlosten Eindruck und lädt nicht sonderlich zum Verweilen ein. Irgendwo hinter Eindhoven wagen wir einen weiteren Versuch und haben etwas mehr Glück. Wirklich gemütlich ist es an diesem Rastplatz zwar auch nicht, aber dafür wenigstens sauber.

Kurz vor Oostende tanken wir noch mal voll und ich frage eher durch Zufall einen jungen Engländer, welcher Weg nach Dover wohl der Beste wäre. “Pricewise?” fragt er knapp und ich nicke. Er erzählt mir, dass es eine neue Fährverbindung von Dunkerque nach Dover gäbe und dass diese die preiswerteste sei. Eigentlich bin ich kein großer Freund von Fährüberfahrten bei Sauwetter, aber er macht mir schnell klar, dass der Tunnel 1. die teuerste und 2. die bei weitem langweiligste Art sei, Großbritannien zu erreichen.

Also machen wir uns auf den Weg nach Dunkerque. Da wir nun nicht bis Calais müssen, haben wir einige Kilometer gespart und siehe da: Die Sonne kommt heraus. Kaum sind wir auf dem Gelände der Norfolk-Line angekommen, reißt der Himmel auf und es wird sogar richtig warm.

Wir warten 2 Stunden auf das Fährschiff und betreiben ein wenig Milieustudien. Der junge Engländer, der uns den Tip gegeben hatte, steht ein paar Wagen hinter uns. So klein ist die Welt!

Auf dem Parkplatz macht sich insgesamt Gemütlichkeit breit. Camping-Stühle werden aus Wohnmobilen herausgezerrt und es herrscht allgemein Picknicklaune. Gestern war wohl das Formel 1-Rennen in Hockenheim und ich frage zwei junge Engländer in einem ziemlich aufgemotzen BMW, die unschwer als Hamilton-Fans zu erkennen sind, ob sie das Rennen live gesehen haben. Haben sie und sie sind immer noch schwer begeistert. Ich erfahre, der ich das Rennen aus verständlichen Gründen nicht angeguckt habe und auch das Ergebnis nicht kenne, dass Heidfeld immerhin 4. geworden ist. Na bitte, geht doch!

  

Unsere Fähre kommt am Kai an. Das ist kein Schiff, sondern ein schwimmendes Parkhaus. Unentwegt spuckt die Fähre nach dem Anlegen Last- und Personenwagen aus und am Kai hat sich um uns herum bereits eine beachtliche Anzahl von Autos angesammelt, deren Insassen auf die Überfahrt warten. Und da sind die Laster, die auf der anderen Seite des Gebäudes warten, noch nicht mit eingerechnet. Wir rollen über eine der ziemlich großen Rampen in das Schiff und bekommen vom Bordpersonal einen Parkplatz zugewiesen. Während der Fahrt ist es nicht gestattet, beim Auto zu bleiben. Also nix wie an Deck.

Der Kapitän erklärt über Lautsprecher, dass wir bestes Reisewetter und eine ruhige Überfahrt zu erwarten haben. Für mich als Sportbootführerscheinbesitzer und trotzdem eher Nicht-Seemann sind das wirklich gute Nachrichten. Na also! Es macht sich! Nach knapp 2 Stunden erreichen wir Dover bei strahlend schönem Wetter und schießen die ersten beeindruckenden Bilder vom Leuchtturm, dem Castle und der Hafenstadt bei Sonnenuntergang.

Jetzt geht es richtig los, das Abenteuer. Ich war zwar schon ein paar Mal in England, bisher aber dort noch nie mit dem Auto unterwegs. Freundlicherweise wird man nach dem Verlassen der Fähre direkt auf die linke Spur geleitet, sodass man sich bereits zu Anfang eigentlich nicht verfahren kann. Else, unser Navigationsgerät, scheint auch kapiert zu haben, dass wir im Vereinigten Königreich angekommen sind.

An den Linksverkehr gewöhnt man sich übrigens recht schnell. Das liegt wohl auch daran, dass es in England zumindest auf den Hauptverbindungsstraßen kaum noch Kreuzungen, sondern fast ausschließlich Kreisverkehre gibt. Sinnvollerweise hält man sich anfangs auf der Autobahn auf der äußerst linken Spur auf und bleibt da am Besten auch eine ganze Weile. Danach findet man sich recht schnell zurecht. Auf der M20 geht es dann erstmal Richtung Hauptstadt des britischen Empires.

Leider schickt uns Else, der ich ein paar Wochen vorher eigens noch Software mit Kartenmaterial für Westeuropa spendiert habe, im Nordosten von London auf die falsche Straße, sodass wir dort fast eine Stunde lang herumirren. In dem für den Unkundigen recht verwirrenden Brücken und Straßennetz in und um London kann man sich sauber verfahren, Else kam da wohl bei der Vielzahl der zum Teil parallel verlaufenden Pisten nicht mehr klar und die Ausfahrten auf den Autobahnen sind bei weitem nicht so dicht gesät wie in Deutschland! Da fährt man dann schon mal 10 bis 15 Kilometer in die falsche Richtung, wenn man die richtige Abfahrt verpasst hat. Hätte ich mir die Mühe gemacht, mich vorher auf der Landkarte über die Hauptrichtung, nämlich Cambridge, zu informieren, wäre mir das sehr wahrscheinlich nicht passiert. Aber im Raketenzeitalter verlässt man sich halt blindlings auf die Technik und schon ist man verlassen.

Schließlich finden wir aber doch den Weg Richtung Norden und suchen uns in Sawston, einem kleinen Ort in der Nähe von Cambridge, eine Unterkunft für die Nacht. Immerhin waren wir inklusive der Wartezeit und der Fährfahrt für die rund 800 km fast 14 Stunden unterwegs und sind ziemlich müde

Das “Red Lion Hotel” ist uns mit 75 Pfund für Bed & Breakfast deutlich zu teuer und der Wirt, vermutlich ein Pakistani mittleren Alters, macht einen ziemlich unfreundlichen Eindruck. Wir beschließen daher, noch ein wenig weiter zu suchen. Tatsächlich finden wir auch ein paar Kilometer weiter bei einem kleinen gemütlichen Pub ein preiswerteres B&B. Da wir während der Fahrt genügend Proviant verzehrt haben, steht uns nicht der Sinn nach Essen. So gönne ich mir kurz vor Feierabend an der Bar nur noch zwei Foster und wir legen uns bald darauf ins Bett. Die meisten Pubs in Großbritannien schließen anscheinend immer noch gegen 23 Uhr.

 

22. Juli 2008

Motto des Tages: Nicht alle Schotten tragen Röcke, aber im Gegendbauen haben sie was drauf!

Der Wirt macht uns ein englisches Frühstück mit Ham & Eggs und allem, was so dazugehört. Ich futtere, als hätte ich wochenlang nichts zu essen bekommen und auch die beste Ehefrau von allen haut ganz schön rein. Gegen 9 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Schottland, es liegen noch ca. 700 km vor uns. Ich rufe von unterwegs Hector, den Besitzer, an und frage ihn, in welchem der GL-Hotels wir denn eigentlich untergebracht sind. Da die Hotels einige Kilometer entlang des West Highland Way auseinander liegen, ist das keine unwesentliche Information. Er erklärt mir, dass in Dalmally unsere Unterkunft bereit steht.

Wir fahren vorbei an Nottingham und dem Sherwood Forrest durch die Midlands und dann irgendwann westwärts Richtung Carlisle. Bis dahin ist die Fahrt zwar landschaftlich nicht ohne Reize, aber trotz sehr schönen Wetters mehr oder weniger unspektakulär, weil man von der Autobahn aus, die weitestgehend durch unbewohntes Gebiet verläuft, nicht sonderlich viel sieht.

Übrigens haben wir festgestellt, dass die Insel zwar sehr schön, aber auch ziemlich teuer ist. Man kann getrost davon ausgehen, dass bei den meisten Artikeln des täglichen Bedarfs das Eurozeichen gegen das Pfund ausgetauscht wurde. Alkohol, Zigaretten und Diesel sind unverhältnismäßig teuerer als in Deutschland. Also beschließe ich, möglichst wenig zu rauchen, weil ich natürlich schafsnasig weder in den Benelux-Ländern noch auf der Fähre einen preiswerten Vorrat an Zigaretten gekauft habe. Der Liter Diesel ist in England umgerechnet rund 40 Eurocent teuerer als bei uns. Was soll’s, wir haben Urlaub. Ich bin trotzdem recht froh, dass sich unser Golf trotz der Dachbox als ausgesprochen genügsam erweist.

 

Etwa ab Carlisle ändert sich das Landschaftsbild völlig. Die Uplands erlauben schon mal eine kleine Vorahnung davon, was einen in Schottland landschaftlich erwartet. In Schottland ist das Wetter deutlich kühler und dicke Wolken hängen über dem Land. Gretna Green sparen wir uns und fahren stattdessen von der Autobahn ab, um uns Drumlanrig Castle anzusehen. Nicht, dass wir das schon immer vorhatten, aber irgendwie steht uns nach der recht langen Fahrt der Sinn nach Abwechslung. Und so nehmen wir den Umweg von 25 km in Kauf. Bereits die Fahrt zum Schloß ist ein ungemein beeindruckendes Erlebnis. Zum ersten Mal erleben wir, was Unberührtheit und Einsamkeit bedeutet und lassen die überwältigenden Bilder der Berge von South Lanarkshire auf uns wirken. Nach einer etwa halbstündigen Fahrt erreichen wir nach der Durchquerung eines kleinen Waldes Drumlanrig Castle und auch dieser Anblick haut uns so um, dass ich erstmal rechts – pardon, links! - ranfahren muß.

Wir haben anfangs etwas Mühe, die durchweg unheimlich freundlichen Einheimischen zu verstehen, und obwohl die ältere Dame, die im Schloß die Führung durchführt, sicherlich in sehr gewähltem Schottisch spricht, kriege ich kaum die Hälfte mit. Macht aber nichts, ich habe beschlossen, mir Mühe zu geben und mich an die Sprache zu gewöhnen.

Wir machen uns wieder auf den Weg und erreichen nach etwa einer ¾ Stunde Glasgow. Obwohl die Autobahn durch die Stadt führt, haben wir Gott sei Dank kaum Verzögerung. Und dann erreichen wir den See, den ich vermutlich schon 1000 Mal besungen habe und den ich schon seit Jahren besuchen wollte: Loch Lomond. Ein unglaublicher Anblick, den wir an diesem Tag aber leider nicht festhalten können, weil auf unserer Fahrbahnseite die Haltemöglichkeiten begrenzt sind und keine sonderlich guten Motive hergeben. Das holen wir spätestens am Samstag nach.

So tuckern wir als am See entlang über eine schmale Straße immer weiter in Richtung Norden, bis wir in Crianlarich nach Westen abbiegen und schließlich Dalmally erreichen. Motto des Hotels Glenorchry Lodge “Some say, we are in the middle of nowhere, we say we are in the middle of everywhere“. Wieder sind die Leute unglaublich freundlich und wir gönnen uns ein leckeres Abendessen.

Das Hotel ist sehr hübsch und stilvoll eingerichtet, allerdings sieht man hier und da auch, dass die Witterung an den Häusern ihre Spuren hinterlässt.  

 

23. Juli 2008

Motto des Tages: Es grünt so grün… oder Gegend, soweit das Auge reicht!

Ich hatte den Wecker auf 7 Uhr 30 gestellt und werde irgendwann von der Besten aller Ehefrauen geweckt. Es sei schon beinahe 8 Uhr. Also ab in die Wanne und frisch gemacht für das Breakfast. Während ich in der Wanne plansche, fällt der Besten auf, dass sie sich wohl doch etwas in der Zeit vertan hat und dass es erst kurz vor 6 Uhr ist. Das ist natürlich blöd, weil es noch kein Frühstück gibt. So macht die Frau Gemahlin einen kleinen Spaziergang auf dem Anwesen des Hotels und freundet sich mit einer der Katzen an. Ich ruhe noch ein wenig.  

 

 

            

Nach dem traditionell britischen Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Oban, einer Hafenstadt am Ende des West Highland Way. Wir strolchen eine ganze Weile durch die Läden und die Straßen, schauen bei der berühmten Oban-Whisky-Destille vorbei, kaufen allerlei Schnickschnack ein und beschließen dann, nach Fort William weiterzufahren. Unterwegs werden wir immer wieder von der unbeschreiblichen Schönheit der schottischen Highlands überwältigt. Wir haben ein Riesenglück mit dem Wetter, denn es bleibt trocken. Strahlend blauer Himmel ist nicht gefragt, denn gerade durch die sich immer wieder verändernden Wolkenbilder sieht die Landschaft immer wieder anders aus. Ich hatte bis dahin nicht geglaubt, dass es so viele unterschiedliche Grüntöne geben kann. Wir kommen zu dem Schluss, dass es das Licht und die Wolken sind, die wesentlich zum Zauber dieser Landschaftseindrücke beitragen. Allerdings kommen mir immer wieder erhebliche Zweifel, ob es mir trotz relativ ordentlicher Kamera gelingt, diese Eindrücke auf Bildern so festzuhalten, dass auch nur annährend die Stimmung herüberkommt, die uns hier befällt.  

Wir machen Halt beim Dunstaffnage Castle und beim Stalker Castle, wo wir einen Kaffee schlürfen und die obligatorischen Bilder schießen. Ein weiterer Halt schließt sich am Commando Memorial an, einem Kriegerdenkmal, dass man unmöglich eindrucksvoller hätte platzieren können. Das Panorama ist schlichtweg umwerfend.  

In Fort William am Fuße des Ben Nevis machen wir wiederum einen längeren Einkaufsbummel und kaufen alles, was man so braucht, um sich als Touri zu outen: T-Shirts ohne Zahl, Schottland-Aufkleber, Postkarten und und und. Den Kauf von Whisky hebe ich mir für später auf, weil ich schwer hoffe, dass Tom Fairnie uns in Edinburgh gut beraten kann.  

 

Von Fort William fahren wir nach einem ausgiebigen Stadtbummel weiter nach Fort Augustus, welches am Südufer von Loch Ness liegt. Die beste aller Ehefrauen hat den Kindern in ihrem Kindergarten versprochen, dass sie das berühmte Ungeheuer nach Möglichkeit aufspürt und ein Bild davon mitbringt. Hm!  

Hier in Fort Augustus hat der Touristenrummel Hochkonjunktur, sodass wir nach ein paar Beweisfotos unserer Anwesenheit am Loch Ness den Rückweg nach Dalmally antreten. In Fort William schickt uns Else zum Glück nicht über Oban zurück sondern über den Glencoe. Und wieder lernen wir die Highlands von einer völlig anderen Seite kennen. Nach geraumer Zeit erreichen wir ein Hochplateau, das sich landschaftlich vollkommen von dem bisher gesehenen unterscheidet und uns trotz der recht gut ausgebauten Straße das Gefühl vermittelt, dass diese Gegend weitgehend unberührt ist. Es ist wirklich verrückt. Kaum dreht man sich um, haben sich die Lichtverhältnisse geändert und alles sieht ganz anders aus. Fährt man um eine Kurve, erwartet einen dahinter häufig eine wiederum völlig andere Landschaft.  

Und wieder schlägt Else hilfreich zu, indem sie uns in das Glen Orchy leitet. Hier fahren wir die letzten knapp 20 Kilometer über eine einspurige Straße, die ab und zu Ausbuchtungen für den  unwahrscheinlichen Fall von Gegenverkehr bereithält. Allerdings hat es hier, abgesehen von dem einen oder anderen Wildcamper ziemlich übel gesinnte Midges im Überfluß, sodass wir die Fenster geschlossen halten, das Tal zum “Home of the Mosquitos” erklären und Fotos von Hochlandrindern durch die geschlossene Scheibe schießen.  

 

24. Juli 2008

Motto des Tages: Nach soviel Gegend darf es auch mal Stadt sein!

Wir erheben uns ziemlich planmäßig zum Klang meines im Handy eingebauten Weckers und gehen nach ausgiebigem Bade frühstücken. Erwähnte ich, dass wir in unserer kleinen Ferienwohnung auch eine Badewanne in unserem Bad haben? Wahnsinn, welches Glück wir bisher haben!

Der Wirt bringt uns das wiederum sehr schmackhafte Frühstück und die beste Ehefrau der Welt probiert zum 1. Mal in ihrem Leben Porridge. Und so schlecht scheint es ihr nicht zu schmecken. Ich bleibe bei meinem traditionellen Frühstück, dass lockerleicht bis zum späten Mittag satt macht.  

Wir fahren entlang der bonnie banks des Loch Lomond Richtung Glasgow. In Balloch am Südufer des Loch halten wir kurz an, weil ich sehen will, wo genau ich am Samstag Nachmittag auftreten werde. Und wir haben schon wieder Glück. Auf dem Festivalplatz, der gerade errichtet wird, sehen wir einen Mann in T-Shirt mit dem Aufdruck “Loch Lomond Folk Festival”. Und siehe da, es ist Stewart Davidson, der Veranstalter, mit dem ich bislang nur per E-Mail Kontakt hatte. Wir begrüßen uns, besprechen kurz die Details, verabschieden uns bis zum Wochenende und schon dampfen wir weiter nach Glasgow, wo wir mühelos im Zentrum ein Parkhaus finden. Wir orientieren uns nach einer Tasse Kaffee in Richtung Innenstadt und spazieren die Bath Street entlang, bis wir irgendwann die High Street und dort das älteste Haus Glasgows sowie die Munro Kathedrale erreichen. Unterwegs finden wir glücklicherweise noch ein Musikgeschäft, in welchem ich ein fehlendes Kabel kaufe. Die Auftritte am Wochenende können meinetwegen losgehen, ich habe jetzt alles, was ich dazu brauche.  

     

 

  

Glasgows Innenstadt ist nicht uninteressant und der Wettergott meint es obendrein unglaublich gut mit uns. Es ist herrlich warm und sonnig und so zeigt Glasgow sich von seiner allerbesten Seite. Wir gucken uns St. Munro Cathedral auch von innen an und werfen auch noch einen Blick in das älteste Haus Glasgows, in welchem sich nun ein Museum befindet. Die beste aller Ehefrauen nutzt den Rückweg, die anwesenden Geschäfte auf Herz und Nieren zu prüfen und ich schieße allerlei Fotos von Eindrücken, die ich unter anderem in der Buchannan Street gewinne. Hier pulsiert die Lebensader von Glasgow. Jede Menge Cafés und Geschäfte und natürlich Straßenmusiker prägen das Bild dieser Straße. Da spielen schon mal traditionelle Piper zusammen mit afrikanischen Perkussionisten oder Opernsänger entpuppen sich als Busker...

Übrigens gibt es in Glasgow auch ALDI, möglicherweise beruhigend zu wissen :-)

Gegen 16 Uhr 30 treten wir den Rückweg an, nicht ohne in Dalmally noch kurz im Gift Shop nach dem Rechten zu sehen.

Abends essen wir wieder im GL-Hotel. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil da das Essen einfach klasse ist. Andrew, der Barkeeper ist sehr nett und aufmerksam, allerdings zuweilen auch etwas schwer zu verstehen.

 

25.07.2008

Motto des Tages: Vor lauter Sightseeing die Musik nicht vergessen!

Wir fahren nach einem leckeren Frühstück nach Stirling und besuchen Stirling Castle. Da muss man einfach gewesen sein. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Wallace Monument, das sich majestätisch auf einem Hügel vor den Ausläufern der Highlands erhebt. Ich als Braveheart-Fan finde, dass man für dieses Denkmal keinen besseren Platz finden konnte. Stirling Castle ist absolut sehenswert und auch die Stadt hat deutlich mittelalterliche Züge. Leider haben wir davon nicht so sehr viel mitbekommen, weil wir langsam wieder losmüssen, da der Auftritt im Taynuilt-Hotel ansteht. Stirling geben wir uns einfach nächste Woche auf dem Weg nach Edinburgh noch einmal.  

Im Taynuilt-Hotel erwartet uns neben einem tollen Publikum auch ein sehr leckeres Buffet. Auf diese Weise kommen wir auch dazu, einmal Haggis, das schottische Nationalgericht, zu kosten. Es ist nun nicht so eklig, wie es vielfach beschrieben wird, aber unsere Leibspeise wird es wohl auch nicht werden.  

Bobby, der Barmann, ist ein lustiger Kerl, der nicht sonderlich viel Wert auf ein vollständiges Gebiss, dafür aber auf eine herzliche Konversation legt. Und er hat eine Menge gute Tips parat, was man gesehen haben muß, wo man hingeht und wo man was einkauft.

Während ich eine Zigarette rauche, fällt mir auf, das auf dem Hotelhof ein paar Motorräder aus dem Rheinland stehen, deren Besitzer offenbar eine Motorradtour durch die Highlands machen. Nachdem die Motorradfahrer im Pub eingelaufen sind, spiele ich nach ein paar Traditionals ein Lied von BAP und man sieht ihnen die Verwunderung an, wieso in den Highlands ein vermeintlich schottischer Musiker wohl ein Lied aus der Heimat spielt. Konnten die Jungs ja nicht wissen, dass ich ebenfalls aus dem Rheinland stamme. Es wird ein sehr netter Abend, der Auftritt dauert bis 22 Uhr 30. Danach fahren wir nach Dalmally zurück und nehmen an der Bar noch einen Schlummertrunk.

 

26.07.2008

Motto des Tages: Manchmal werden Träume wahr!

Heute ist also der Tag, wegen dem ich eigentlich nach Schottland wollte. Dazu muß ich etwas weiter ausholen. Vor einigen Jahren habe ich mit Marc Seibel zusammen das Duo “Lomond” gegründet, aus dem sich dann irgendwie auch eine Band mit unterschiedlichsten Besetzungen entwickelte. Namensgeber für die Band war der viel besungene Loch Lomond. Beim Herumstöbern im Internet fand ich heraus, dass am dort einmal im Jahr - und zwar im Sommer - ein Folkfestival stattfindet. Ich nahm Kontakt mit den Veranstaltern auf und dann passierte über Jahre erstmal gar nichts. Entweder erfuhren wir zu spät, wann das Festival stattfindet und waren schon gebucht oder es klappte aus anderen Gründen nicht.

Im Herbst 2007 habe ich Lomond aufgelöst, aber dennoch Stewart Davidson angemailt, ob und wann in 2008 das Festival stattfinden würde. Stewart bot mir ein Zeitfenster während der Open Stage Veranstaltung an und ich sagte zu. Das mußte einfach mal sein, dass ich am Loch Lomond Musik mache.

Über Myspace lernte ich einige schottische Musiker kennen, so zum Beispiel Bob Ferguson und Tom Fairnie. Für beide habe ich kleine Touren in Deutschland zusammengestellt und sie organisierten im Gegenzug für mich Gigs in Schottland. Auf diese Weise kam die Tour in den GL-Hotels und der Liedermacherauftritt in Edinburgh zustande. 

Wir fahren nach einem ausgiebigen Frühstück nach Balloch. Morgen werde ich auf jeden Fall etwas anderes zum Frühstück aussuchen. Das traditionelle Frühstück ist zwar sehr lecker und auch ausgesprochen nahrhaft, hängt einem aber nach ein paar Tagen auch etwas zum Halse heraus.  

  

Wir erreichen Balloch und suchen vorrangig nach 2 Dingen: 1. eine Tankstelle, 2. eine Bank oder Wechselstube. Nachdem wir beides gefunden haben, geht es weiter zum Festivalgelände, auf dem sich schon eine ganze Reihe von Zuhörern eingefunden haben. Und es werden ständig mehr. Hinter dem Gelände befindet sich ein großer Zeltplatz, der ebenfalls sehr gut besucht ist. Vor dem Gelände haben Händler ihre Stände aufgebaut, allerdings findet sich dort nichts wirklich interessantes. Ein “Musikalienhändler” bietet recht nett hergerichtete traditionelle Instrumente an, die allenfalls dazu taugen, als Dekoration an die Wand gehängt zu werden. Insbesondere die feilgebotenen Bodhráns von Waltons sind zwar recht hübsch - vermutlich maschinell - bemalt, taugen jedoch nicht viel.   

 

 

Ich melde mich bei Danny, dem Techniker an der Open Stage, an und wir machen es uns danach auf der Wiese gemütlich. Zu Anfang wird traditioneller Tanz von 3 Kindern gezeigt, die das wirklich sehr ordentlich machen.  

 

Als 1. musikalischer Act spielt „Sunrise not Secular“, eine Band, die bereits im Vorprogramm von Runrig, den schottischen Lokalmatadoren, herumgehext hat. Die jungen Herren machen richtig Betrieb auf der Bühne und kommen sehr gut beim Publikum an.   

Danach eine junge Dame aus Irland namens Nuala Dalton, die zunächst erhebliches Pech mit dem Sound hat. Ja, Mikrofonabnahme einer akustischen Gitarre birgt so ihre Tücken. Man merkt der jungen Frau an, dass sie nicht sehr glücklich damit ist. Ihre selbstgebastelten Balladen haben sicherlich etwas, allerdings geht das in immer wiederkehrenden Feedbacks etwas unter.   

Das Festival ist hinsichtlich der Bandauswahl bei der Open Stage Veranstaltung international. Das zeigt auch die darauf folgende Band aus Australien. Eigentlich stand auf der Einladung, dass ausschließlich Folk gespielt werden soll, aber die 3 Herrschaften covern was das Zeug hält und das ziemlich gut.   

Der Moderator John, der übrigens auch die Musiker auf Wunsch mit Perkussionsinstrumenten begleitet, sagt nun mich an. Ich habe mir übrigens sogar ausdrücklich gewünscht, dass er mit seiner Djembe bei mir mitspielt, weil er das nämlich richtig gut macht. Und es ist grandios. Den Leuten gefällt es ganz augenscheinlich und ich habe Spaß ohne Ende.  

 

Beim Umstimmen auf ein offenes E-Tuning reißt mir natürlich die D-Saite. Spontan springt ein junger Mann namens Mark McAnaw (im Bild oben links mit der Gitarre auf dem Rücken) mit seiner Gitarre auf die Bühne und unterhält die Leute mit einem Dylan-Song, bis ich meine Saite gewechselt habe. Als letztes Lied spiele ich "Loch Lomond" und der ganze Platz singt beim Refrain mit. Gänsehaut, Herrschaften, aber vom Feinsten!

Ausgesprochen zufrieden verlasse ich nach einer knappen ¾-Stunde die Bühne. Da ist wirklich so etwas wie ein Traum in Erfüllung gegangen.

Die Rückfahrt nach Dalmally schleppt sich ziemlich hin. Es ist Wochenende und es sind jede Menge Ausflügler am Loch Lomond unterwegs. Das merkt man natürlich auf so einer schmalen Straße recht deutlich.  

Übrigens ist der Zustand der Straßen in Schottland besser als sein Ruf. Natürlich gibt es im Hochland und auf den Inseln sogenannte Single Tracks, die nicht so gut ausgebaut sind. Aber zwischen den wichtigsten Städten spannt sich ein Netz von recht gut befahrbaren Landstraßen. Mag sein, dass der Straßenbelag nicht so komfortabel ist wie in Deutschland. Das stört aber nicht weiter, denn zum Rasen fährt man ohnehin nicht nach Schottland und bei Tempo 90-100 reist man verhältnismäßig angenehm. Zwischen den Mittellinien gibt es in Großbritannien übrigens eine recht nützliche Einrichtung. Hier sind sehr oft Katzenaugen in den Straßenbelag eingelassen, die zum einen bei Nacht die Mitte recht gut markieren und die gegebenenfalls auch tagsüber durch deutliches Rumpeln den Fahrer darauf aufmerksam machen, dass er gerade seine Spurt verlässt. 

In Dalmally angekommen baue ich meine kleine Anlage im Hotel auf, da ich hier heute am Abend spielen werde. Den Leuten gefällt es sehr gut, und für eine ganze Reihe von Hartgesottenen spiele ich, bis der Pub schließt und der Don die letzten Gäste rausschmeißt.  

 

Der Midge-Eater, ein Gerät, das die Midges anlockt und tötet. Leider hat niemand daran gedacht, dass da immer zahllose Verwandte zur Beerdigung kommen...

27. Juli 2008 

Motto des Tages: In einem schottischen Loch ist recht häufig auch Wasser! 

Heute machen wir mal - abgesehen vom Auftritt in Tyndrum - fast gar nichts. Man kann ja nicht jeden Tag nur im Auto verbringen. Ich baue nach dem Frühstück in Dalmally meine Anlage ab und verstaue sie im Auto. Danach lege ich mich noch mal ein Weilchen aufs Ohr und gegen 13 Uhr fahren wir zunächst zum nahegelegenen Kilchurn Castle, das recht malerisch im Loch Awe herumliegt. Auf dem Weg zum geeigneten Fotoparkplatz fahren wir zunächst in die falsche Richtung, können aber auf diese Weise St. Conan´s Kirk besichtigen. Von dort aus kann ich dann auch das Castle sehen und wir fahren wieder zurück und dann weiter nach Tyndrum.    

 

    

 

In Tyndrum gibt es in der Touristeninformation auch die Möglichkeit, ins Internet zu gelangen. Somit bin ich erstmal eine halbe Stunde mit email-Lesen beschäftigt. Da ich mit ganz kleiner Anlage unterwegs bin, geht der Aufbau ziemlich schnell und ich fange pünktlich um 16 Uhr an zu spielen. Zunächst nur für die beste aller Ehefrauen und die junge Dame hinter dem Tresen.    

  

Aber so nach und nach füllt sich “Paddy´s Bar” und irgendwann sitzen dann auch Jenny und Markus im Pub. Ich habe sie direkt für Deutsche gehalten, weil Jenny witzigerweise ein recht lustiges Thoman-T-Shirt trägt. Die Beiden kommen aus Bad Herrenalb und sind mit ihren Motorrädern unterwegs. Immer mehr Menschen nehmen auf der Terrasse vor und im Pub Platz und anscheinend gefällt ihnen das wohl, was ich da so musikalisch treibe. Auch Musikwünsche nehme ich reichlich entgegen und kann sie weitgehend erfüllen. Nach meinem Auftritt hockt sich ein junger Neuseeländer namens Thomas mit seiner Gitarre auf die Terrasse und unterhält die Leute weiter. Dieses Land macht von Tag zu Tag mehr Spaß.  

Tyndrum liegt übrigens direkt am West Highland Way und ist, da es dort eine große Tankstelle gibt, ein Eldorado für Motorradfahrer aus aller Herren Länder. Ansonsten ist der Ort - wie die meisten in der Umgegend - ziemlich übersichtlich. Vermutlich hat auch Tyndrum irgendwo ein Castle, aber danach haben wir diesmal nicht gesucht. Tankstelle, Supermarkt und der unvermeidliche Giftshop scheinen allerdings eine Goldgrube zu sein.   

Wir essen mit Jenny und Markus, die übrigens beide Musiker bei einem Luftwaffenmusikcorps sind, zu Abend und verabschieden uns dann gegen 20 Uhr in Richtung Dalmally, wo ich das traditionelle Feierabendbier trinke. 

Übrigens ist das mit dem Bier auch so eine Sache. Wirklich schottisches Bier bekommt man nur ganz selten in den Pubs, nachdem ich in Taynuilt eines gekostet hatte, war mir auch recht klar, weshalb. Sehr häufig wird irisches Bier ausgeschenkt, meistens Guinness oder John Smith´s, ab und zu gibt es auch Foster´s oder Becks aus der Flasche. Dieses John Smith´s ist recht lecker, geht allerdings auch ziemlich überraschend ungebremst in die Füße. Der Harndrang wird allerdings von den angebotenen Bieren jedenfalls über alle Maßen angeregt. 

 

28.07.2008 

Motto des Tages: Sieh zu, dass Du Dir zu Lebzeiten die schöne Gegend anguckst. Als Monument hast Du nichts davon! Oder: Noch einmal Black Pudding und ich schreie! 

Wir treffen Hector, den Manager der Hotelkette (und übrigens auch Sohn des Besitzers), nach dem Frühstück und regeln das Geschäftliche, Erfreulicherweise hat meine Musik wohl in allen 3 Pubs sehr gut gefallen und Hector wusste das bereits, obwohl er bei den Auftritten nicht dabei war. Daher machen wir direkt eine Wiederholung für das nächste Jahr aus. Na das hat doch was! 

Karen, eine außerordentlich fleißige Servicekraft, die anscheinend rund um die Uhr im Hotel arbeitet, gibt uns ein paar Hinweise, was wir uns in der unmittelbaren Umgebung noch ansehen können. Lange herumfahren wollen wir nämlich nicht.   

 

 

Unser Ziel ist zunächst Inveraray. Wie uns mittlerweile nicht mehr sonderlich überrascht, liegt dieser Ort an einem Loch, nämlich dem Loch Awe, und hat ein Castle. Wer hätte das gedacht! Wir gucken uns stattdessen das Inveraray Jail an. Ein wirklich sehenswertes und sehr liebevoll gestaltetes kleines Museum, in welchem man gucken kann, wie Gefangene im Schottland des 18. Jahrhunderts aufbewahrt wurden. Im Museum ist es angenehm kühl, während draußen satte 27 Grad herrschen. Irgendwann konzentriere ich mich ganz doll und dann bekomme ich ganz sicher raus, welcher Idiot uns vor unserem Schottlandurlaub 1. etwas von Regensachen, die man nicht vergessen dürfe und 2. nichts von Stechmücken gesagt hat. Und dann wehe! 

Inveraray bietet darüber hinaus noch auf einem 3 Mast Schoner ein Seefahrtsmuseum, das Castle und natürlich Giftshops ohne Zahl. Ich frage mich ernsthaft, wie diese vielen Läden eigentlich überleben können, zumal man in jedem Laden den gleichen Trödel kaufen kann.  

Von Inveraray fahren wir weiter entlang der A83 zum Township Auchindrain, sozusagen eine Art schottischer Hessenpark. Hier kann man in liebevoll eingerichteten Cottages, Ställen und sonstigen bäuerlichen Liegenschaften eindrucksvoll sehen, wie die Leute auf dem Land früher gelebt haben.   

 

Wir finden auf dem Rückweg in Inveraray kein rechtes Restaurant, wo wir uns erfrischen könnten und tuckern zurück nach Dalmally. Auf dem Weg dorthin biegen wir in einen Single Track nach Cladich ab und finden tatsächlich ein nettes Lokal direkt am Loch Awe.  

Auf der Rückfahrt erheischen wir noch mal einen tollen Blick auf Kilchurn Castle und nehmen versehentlich die 1. Abfahrt nach Dalmally, wodurch wir dieses Mal nicht über die Landstraße sondern durch den Ort zum Hotel gelotst werden. Und wieder gibt es einen Singletrack zu einem Monument für einen gewissen Duncan Ban Macintyre, der hier wohl ein ziemlich angesagter Dichter gewesen zu sein scheint. Also Blinker rechts und abgebogen!  

Das Monument ist jedenfalls wieder gewaltig und der Ausblick von hier aus ist in alle Himmelsrichtungen schlichtweg genial. Mittlerweile haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Schotten im Errichten von nennenswerten Monumenten stets darauf geachtet haben, dass diese auf geradezu atemberaubende Weise in der Gegend herumstehen und man von dort einen tollen Ausblick hat.    

 

Den späten Nachmittag verbringen wir mit Lesen, dem Herunterladen der geschossenen Fotos und dem Aufschreiben der täglichen Erlebnisse.

  

29. und 30. Juli 2008 

Motto des Tages: und es regnet doch ab und zu! 

Wir unternehmen nur kleine Ausflüge ins Umland, die aber wiederum ausgesprochen beeindruckend sind, bevor wir uns allmählich am Mittwoch auf den Weg nach Edinburgh machen. 

Unterwegs legen wir noch mal kurze Stops in Stirling und an den Falls of Dochart (äußerst sehenswert!) ein und erreichen gegen Mittag Edinburgh.

Wenn man sich einige Tage in den Highlands herumgetrieben hat, ist das eine gewaltige Umstellung. Just an diesem Wochenende beginnt auch das Edinburgh-Festival mit Tattoos und jeder Menge kultureller Veranstaltungen. Den Liedermacher-Abend mit Tom und Jane Fairnie, Mark Barnett und Rachel Dawick betrachte ich für mich persönlich als gelungenen Auftakt hierfür.    

Wir finden tatsächlich eine Parkmöglichkeit (was in Edinburgh wirklich nicht so einfach ist) und schauen uns die Innenstadt an. Hier ist wirklich unwahrscheinlich viel los und das ist nach den Tagen in den Bergen wirklich anstrengend. Am Nachmittag holen wir Tom Fairnie von der Arbeit ab und fahren mit ihm nach einem kurzen Aufenthalt bei irgendeinem Veranstaltungsauftakt zu ihm nach Hause. Freundlicherweise gewährt er uns in den nächsten beiden Tagen Unterkunft. Tom wohnt am Stadtrand von Edinburgh in einem netten kleinen Haus und abends findet in seinem Wintergarten eine Probe seiner Band statt, die dann irgendwann in einer ausgesprochen entspannten Session endet. Diese Schotten sind wirklich unglaublich nett und gastfreundlich.  

  

31. Juli 2008

Motto des Tages: Es lebe die Fettleibigkeit 

Heute steht zunächst eine erneute Stadtbesichtigung inklusive dem unvermeidlichen Edinburgh-Castle auf dem Programm. Wir lassen das Auto bei Tom und fahren mit dem Bus in die City. Von der Princess-Street aus nehmen wir ein Taxi hoch zum Wahrzeichen der Stadt, weil es heute sehr schwül und drückend in Edinburgh ist und wir zum Herumlatschen wirklich keine Lust haben. Das Castle ist sicher absolut sehenswert und bietet wohl Stoff für eine mehrstündige Besichtigung. Wie bereits erwähnt platzt Edinburgh jedoch in diesen Tagen förmlich vor Besuchern aus den Nähten und hier oben ist es unheimlich voll. Wir beschränken uns daher beim Besuch auf das Wesentliche, spazieren noch ein wenig über die Royal Mile, wo sich erwartungsgemäß wieder ein Andenkenladen an den anderen reiht, und lassen uns danach im Burger King in der Princess Street zu einem kleinen Snack nieder. Mir fällt dabei wiederum auf, dass insbesondere die Damenwelt in dieser Stadt eine deutlich sichtbare adipöse Neigung hat. Übergewicht scheint gerade schwer im Trend zu sein.    

 

Gegen 19 Uhr fahren wir mit Tom und Jane in den „Village Pub“ in Leith, wo heute der Liedermacher-Abend stattfinden wird. Wir bauen die Anlage auf und machen mit Collin, der uns heute den Sound basteln wird, den Soundcheck. Mark und Rachel treffen ebenfalls kurz nach uns dort ein.  

Der Auftritt ist schlichtweg genial. Tom (unterstützt durch Jane), Mark, Rachel und ich stehen in einer Reihe auf der Bühne und singen nacheinander einen Song, danach geht es wieder von vorne los. In jedem Set werden somit insgesamt 8 Lieder gesungen. Und der Veranstaltungsraum des „Village“ füllt sich zusehends. Diese Art des Liedvortrages ist für das Publikum besonders interessant, weil sie ständige Abwechslung bereitet. Im dritten und damit letzten Set fällt das letzte Lied auf mich und ich entschließe mich, noch einmal in Schottland Loch Lomond zu singen, obwohl dieses Lied bekanntlich (leider) nicht von mir ist.  

Der gesamte Saal singt aus voller Kehle mit und alle einschließlich mir sind danach der Auffassung, das dies ein ausgesprochen gelungener Abschluss eines wirklich tollen Abends war.

 

01.08.2008

Wir treten die Rückreise am Morgen an und erreichen am abend Dover. Leider ist die nächste Fährmöglichkeit mit Norfolk-Line erst 3 Stunden später, sodass wir eine Überfahrt bei P&O Ferries lösen, wo wir bereits um 19:30 Uhr Richtung Calais schippern können. Diese Fahrt ist allerdings, obwohl kürzer, schlappe 100 Euro teuerer als die Fahrt mit Norfolkline. Tja, es ist eben Wochenende und da wollen anscheinend viele Menschen auf den Kontinent. Dafür gewinnen wir allerdings auch 3 Stunden Zeit, und die ist heute kostbar. Beim Warten auf das Boarding stellen wir fest, dass Engländer zuweilen eine ganz andere Vorstellung als wir haben, wie man sein Auto belädt. Wir waren recht froh, dass dieser blaue Nissan auf dem Kontinent hinter uns und nicht vor uns fuhr...

   

Eigentlich wollten wir in Belgien, und zwar in Brugge, nach der Fährüberfahrt für die Nacht ein Hotelzimmer nehmen, sind dann allerdings doch nicht bereit, die deutlich überhöhten Zimmerpreise zu bezahlen. Nachts um halb eins 190 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück muss dann doch nicht sein. Wahrscheinlich kann man das, wenn man vorher plant auch günstiger bekommen. Da wir aber völlig unabhängig von vermeidbarem Zeitdruck sein wollten, haben wir eben nichts im voraus gebucht. 

Ich bin nach der Kanalüberquerung wieder recht frisch und ausgeruht und so fahren wir bis Duisburg weiter, schlafen ein paar Stunden im Auto und erreichen zum Frühstück wieder das Weserbergland, wo wir einen hocherfreuten Hund in Empfang nehmen und uns dann auf die letzten Kilometer nach Hause begeben.