Reisebericht
Schottland 2009
(Viele Bilder, das kann also mit dem Seitenaufbau etwas dauern...)
1.
Reisetag, Überfahrt und Swanston
In
diesem Jahr verstärkt sich der abenteuerliche Charakter noch etwas, da ich
alleine mit dem Auto fahre. Die Beste aller Ehefrauen hat Probleme mit der
Wirbelsäule und kann deswegen nicht so lange im Auto sitzen. Daher ist sie
schon 1Tag vorher nach Edinburgh geflogen, wo sie von unseren Freunden Jane
Fairnie abgeholt wird.
Ich hatte
Dienstag abend noch einen Gig zusammen mit Kenny Legendre und unserem Tillerman´s-Cat-Projekt
in Ulm, der sehr viel Spaß gemacht hat. Nach dem Gig tuckerten wir nach Hause
zurück, wo wir dann auch so gegen halb 5 ankamen. Nach einem kurzen Schläfchen
habe ich mich dann auf den Weg nach England gemacht. Die Fahrt nach Dünkirchen
verlief eher unspektakulär, allerdings auch bei bestem Wetter.


Ich erwähnte schon im letzten Jahr, dass Norfolkline weniger Fähren und dafür eher schwimmende Parkhäuser über den Ärmelkanal schickt, in denen 20 m lange Sattelzüge ohne zurückzusetzen wenden können?

Die Überfahrt
war in diesem Jahr ausgesprochen unruhig. Wäre die Sonne nicht gewesen, hätte
man auch von einem Sturm sprechen können. Entsprechend grün waren die
Gesichter der Mitreisenden, die sich geschickterweise anstatt auf das Deck in
die Fähre verzogen hatten. Und das möglichst noch mit dem Rücken zu den
Fenstern und natürlich auch nach außen, statt in die Mitte des Schiffes.
Merke:
Rollbewegungen eines Schiffes, bei denen man den
Horizont nicht sehen kann, haben unmittelbaren Einfluß auf die
Produktion von Fischfutter…
Ich
unterhalte mich in der Zwischenzeit an Deck mit einem jungen Mann aus Rumänien,
der in der Schweiz wohnt und derzeit mit dem Fahrrad unterwegs ist und hier draußen
ist der Seegang wirklich erträglich. Er ist bis hierher weitestgehend geradelt
und hat dies auch auf dem Weg von Dover nach Boston vor. Mein lieber Schwan!!!

Gischt, Wind und Sonne erzeugen die erstaunlichsten Effekte über dem Meer.


Der Versuch eines Beweisfotos, dass ich ebenfalls auf dem Schiff war, natürlich gefälscht. Der Hintergrund ist eine Fototapete von IKEA und an der Frisur habe ich seeeeeeeeeeehr lange gefönt...
Dank meines Navigationssystems komme ich ganz gut an London vorbei und erreiche so gegen 17 Uhr Ortszeit Swanston und den Pub “The Kings Head”, wo wir bereits im Vorjahr übernachtet haben und wo es dieses sensationelle Frühstück gibt. Für Schottlandreisende, die sich ebenfalls die Fahrt durch ganz England antun wollen, weil sie halt Land und Leute sehen und kennenlernen wollen, kann ich dieses B&B wirklich empfehlen. Die Aufnahme dort ist sehr herzlich und die Zimmer sauber und der Preis mit 60 Pfund für 2 Personen (ich habe alleine 40 bezahlt) durchaus in Ordnung!


Der Wirt erkennt mich tatsächlich noch und wir haben direkt ein sehr nettes
Gespräch. Als habe er geahnt, dass er heute einen deutschen Gast hat, trägt er
ein T-Shirt mit dem Aufdruck „England 5, Germany 1“, das sich wohl auf
irgendein Fussballspiel im Jahr 2001 bezieht, an das ich mich aber selbstverständlich
und nationalbewusst nicht mehr entsinne. Ich miete Im “Kings Head” wieder
ein B&B und da ich nicht mehr fahren muß, hocke ich mich mit einem Glas
Bier auf die Bank vor dem Pub und genieße die späte Nachmittagssonne, nicht
ohne beim Wirt vorher auf sein T-Shirt gedeutet zu haben mit der Aussage:
“What the f… is that?????”. Er lacht herzlich und erklärt mir, das sei
wirklich keine Absicht sondern ein Zufall.


Die Bedienung am Tresen war superfreundlich und hilfsbereit, ihren Namen habe ich allerdings im Laufe des Abends im - na nennen wir es mal - Gespräch mit ihrem Chef leider verdrängt...
So gegen
22 Uhr lege ich mich nach einem recht langen Tag und einigen netten Schwätzchen
mit wirklich freundlichen Briten ziemlich müde in die Koje und schlafe durch
bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr.
2.
Reisetag, Rotherham
Über
myspace habe ich Richard von den Rawmarsh Mashers kennen gelernt und er hatte
mich zu einer open-mic-Veranstaltung in einem Pub in Rotherham eingeladen. Außerdem
darf ich bei Richard übernachten und er bat mich per Mail ausdrücklich, ruhig
schon etwas früher auf einen Kaffee bei ihm zuhause einzulaufen.
Ich
schaue mir, weil es auf dem Weg liegt, Nottingham und das dazugehörige Castle
an. Wer weiß ob ich bei dieser Reise noch ein Castle zu sehen bekomme…
Sonderlich aufregend ist Nottingham Castle nicht, zumal es mitten in der Stadt liegt, die auch kaum noch den eigentlich erwarteten mittelalterlichen Charakter hat. Im Castle gibt es die fast üblichen Militärausstellungen aller möglichen Uniformen und Waffen, die irgendwann von den Sherwood Forestern getragen und/oder benutzt wurden. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Dafür sind allerdings die Grünanlagen rundherum durchaus sehenswert.



Egal,
weiter geht es nach Rotherham, wo ich so gegen 15 Uhr eintreffe. Richard ist im
wirklichen Leben Fahrlehrer und muß noch schnell eine Fahrstunde geben. Er
verabschiedet sich für eine Stunde mit den Worten “Wenn Dir hier eine seltsam
aussehende Frau begegnen sollte, mach Dir nix draus, das ist vermutlich meine
Frau. Ansonsten bedien Dich mit dem Kaffee!” Ich verabschiede ihn mit den
Worten: „Wenn Du jetzt einen Fahrschüler hast, den Du nicht leiden kannst und
den Du quälen möchtest, dann nimm doch einfach mein Auto!“
Nach
seiner Rückkehr schwatzen wir noch eine ganze Weile und essen leckere Steaks
mit Kartoffeln und Gemüse und machen uns dann auf den Weg, um Myke, der
ebenfalls bei den Rawmarsh Mashers spielt, abzuholen. Gemeinsam kommen wir im
„Yellow Lion“ an, dem Pub, wo es heute Livemusik gibt.
Es hat
mittlerweile zu regnen begonnen und es macht nicht den Eindruck, als sei das nur
ein kurzer Schauer.
















Im
“Yellow Lion” sind eine ganze Menge wirklich talentierter Leute, es wird ein
sehr schöner Abend und auch ich darf 3 Lieder spielen. Etwas später entwickelt
sich das Ganze dann zur Session und ich spiele noch bei 2 weiteren Liedern mit.
Gegen 0 Uhr fahren wir zu Richards Haus zurück, trinken noch einen kleinen
Absacker und dann ist Schlafenszeit.
3.
Reisetag, Edinburgh
Ich
erhebe mich so gegen 10, trinke einen Kaffee mit Richard und mache mich dann auf
die Reise nach Schottland. Es regnet immer noch und die Wetterprognosen sagen
alles andere als Sommerwetter voraus. Macht nichts, ich fahre nach Schottland.
Und wenn man nach Schottland fährt, rechnet man mit Regen. Ich bekomme also
nur, was ich erwartet habe. Neben der Musikanlage habe ich natürlich auch vernünftige
Regenkleidung mit, also was soll´s?
Ich fahre
auf der M1 immer Richtung Norden und erreiche am späten Nachmittag Edinburgh.
Trotz ausgesprochenem Sauwetter war es übrigens ein absolutes Hochgefühl, die schottische Grenze zu passieren. Ich kaufe, da mein Navi inzwischen den Geist aufgegeben hat (ich habe Urlaub und da regt mich so was absolut nicht auf!), an einer Servicestation am Stadtrand von Edinburgh einen Stadtplan und stelle fest, dass ich mich schon in unmittelbarer Nähe zu Tom Fairnies Haus befinde.
Jane und Tom haben bereits Besuch von Paddy, dem Busker, aus dem Raum Hannover, der mit seiner Freundin ebenfalls Schottland besucht. Wir gehen gemeinsam in einem Pub in der Nähe etwas essen und dann geht es zur Session nach Penicuik in den Pub „Roadhouse“. Hier treffen außer uns so nach und nach eine ganze Reihe alter Folkhasen mit allen möglichen Instrumenten ein und das Ganze entwickelt sich zu einem brillanter Abend. Das wird eine Session, wie man sich die eigentlich auch vorstellt. Alle sitzen im Kreis, und wem gerade danach ist, die/der stimmt ein Lied an. Und wer kann, spielt mit. Anfangs habe ich eigentlich überhaupt keine Lust, weil ich noch etwas platt von der Fahrt bin, hole dann aber später doch noch die 12-saitige aus dem Auto und es wird - wie Tom zu sagen pflegt - “good fun”.





4.
Reisetag, Aviemore
Nach
einem ausgiebigen Frühstück lassen wir den Vormittag mit netten Gesprächen
und musikalischer Fachsimpelei verstreichen (immerhin bastelt Tom gerade an
einer professionellen CD herum), um uns dann nachmittags auf den Weg nach
Aviemore zu machen. Aviemore liegt etwas südöstlich von Inverness exakt in der
Mitte von Nirgendwo.
Es regnet
noch immer etwas, aber das Wetter wird langsam besser.

Gegen 17
Uhr treffen wir in Aviemore ein und finden auch ohne Navigationssystem mühelos
den Pub „Mackenzies“. Ganz offenbar wird Aviemore als Ausgangspunkt für
ausgiebige Berg- oder sonstige Wanderungen genutzt, denn zum einen gibt es hier
ziemlich viele Outdoor-Ausstatter und zum zweiten laufen hier recht viele
Touristen in Bergstiefeln und entsprechendem Outfit herum. Dafür, dass der Ort
eigentlich etwas abseits der Hauptstrasse (?) liegt, ist übrigens auch der
Kfz-Verkehr ziemlich heftig.


Chris,
ein ausgesprochen freundlicher Engländer und Manager des Pubs kümmert sich
direkt um unsere Unterkunft und ab 19 Uhr baue ich die Anlage auf, damit es pünktlich
um 21 Uhr losgehen kann. Der Gastraum hat sich zusehends mit Gästen gefüllt
und es wird ein wirklich feiner Gig, bei dem das Publikum offensichtlich einen
Haufen Spaß hat. Ich spiele bis knapp 1 Uhr und vereinbare mit Chris direkt für
nächstes Jahr einen Wiederholungsgig. Sieht aus, als findet der nächste
Sommerurlaub wiederum in Schottland statt, was ich persönlich jetzt nicht so
schlimm finde.
5.
Reisetag, Inverness, Loch Ness und Westhighlands
Nach dem Frühstück geht es nach Inverness und wir gucken uns auf dem Weg dorthin die historischen Culloden Fields an. Hier haben sich wohl im 17. Jahrhundert die Regierungstreuen und die Jakobiter gegenseitig kräftig auf die Mütze gehauen (wobei die Jakobiter wohl verloren haben).
Das kann man
sich ansehen, muß man aber nicht, auch wenn es natürlich zur Geschichte Großbrittaniens
und ein Stück weit auch Europas gehört. Die Stimmung ist für mein Gefühl
insgesamt eher bedrückend als beeindruckend.



Inverness
ist ein wirklich nettes Städtchen im Norden von Loch Ness, am Sonntag bei Regen
allerdings nicht unbedingt der Brüller, aber da das Wetter langsam wirklich
aus den Pötten kommt, nutzen wir die wenigen Shoppingmöglichkeiten und kaufen
die Gifts ein, die wir ohnehin zu kaufen vorhatten. Nebenbei gucken wir uns noch
kurz das Castle von außen an und machen uns dann auf den Weg nach Drumnadrochit
am Loch Ness.




Der kleine blaue Fleck am linken Bildrand symbolisiert übrigens den Sommer von Inverness...

Das Loch
Ness-Center mit seinen Vorträgen über mögliche wissenschaftliche Nachweise
vom “Munster” ist durchaus besuchenswert, was wir ja dann auch tun.
Unterwegs stellen wir dann fest, dass das Ungeheuer von Loch Ness offensichtlich demnächst einer Inspektion unterzogen wird und deshalb schon mal für den Transport vorbereitet wurde...
Auf
Urquart-Castle werfen wir nur vom Ufer aus einen Blick, weil wir nicht ganz
einsehen, 7 Pfund pro Person für den Besuch eines Haufen Steine mit
Schottlandfahne zu bezahlen.
Unser Weg
führt uns nun zu unserem “Basislager” nach Dalmally ins “Glenorchy Lodge”
und er führt uns wiederum durch den - auch bei leichtem Regen - atemberaubenden
Glencoe und dann wieder über diesen sensationellen Singletrack im Glen Orchy.
Die beste Ehefrau von allen macht mich angesichts meines durchaus dynamischen
Fahrstils darauf aufmerksam, dass sie gleich auf die Landkarte kotzt. Ich erkläre
ihr, dass das 1. trocknet, dass 2. sie es war, die deutlichen Hunger angemeldet
hatte und dass man 3. für so ein Erlebnis auf der Kirmes einen Haufen Geld
bezahlen muß. Ein Fahrzeug vor uns, das etwa eine Viertelstunde ebenso
dynamisch vor uns herstaubt, fährt irgendwann links ran und läßt mich vorbei,
weil er wohl den Eindruck hat, dass ich hier noch mehr Spaß habe als er...*
Kurz
darauf erreichen wir unser Hotel und nehmen ein hervorragendes Abendessen und
ich zusätzlich das eine oder andere wohlverdiente Feierabendbier ein.
Der
freundliche junge Kellner vergass zunächst, einen zusätzlich bestellten Salat
zu berechnen. Als ich ihn darauf hinweise, meint er nur trocken: “Macht nix,
ich habe am Nebentisch auch den Kaffee vergessen!”…
6. Reisetag, Isle of Arran
Wir
schlafen eindeutig zu lange und kommen dadurch etwas spät auf die Piste. Daher
erreichen wir die Fährhäfen nach Islay (die Whisky-Insel!!!) und Arran (die
Strick-Insel) relativ spät. Die Fähre nach Islay (sprich: Ailah) steht zwar
bereit, ist aber schon ausgebucht. Auf der einen Seite Mist, weil ich dadurch
nicht auf die Whisky-Insel komme, andererseits auch wieder nicht so schlimm,
weil die Überfahrt zum einen 2,5 Stunden dauert und zum anderen recht teuer
ist. Also rumpeln wir über einen Single-Track nach Claonaig zur Fähre nach
Arran, dem vermeintlichen Stricker-Paradies, wo es nach Ansicht der Besten aller
Ehefrauen fa-bel-haf-te Strickmuster gibt. Die Fähre ist gerade weg, also haben
wir Zeit, das knapp 2 Meilen entfernte Skipness-Castle anzusteuern und zu
fotografieren (wer weiß, wann wir wieder ein Castle zu sehen bekommen...).







Etwa eine
halbe Stunde später tuckern wir mit einer recht übersichtlichen Fähre zur
Insel Arran, erleben eine nicht ganz sanfte, aber dennoch erträgliche Überfahrt
und wenden uns nach der Ankunft am Fähranleger in Lochranza links Richtung Häuser
und der nächst größeren Stadt. Und siehe da: Auf der rechten Seite liegt eine
Whisky-Distillery!!! Handbremse, rauf auf den Parkplatz, rein in die Distille.
Wir erkundigen uns nach einem Rundgang bei einem dort Angestellten, wo es denn
auf Arran eigentlich die berühmte Wolle und die Strickmuster gibt. Er guckt uns
etwas verständnislos an, schaut zu seinem Kollegen und meint: “Hm, Diana,
braucht gerade Wolle, ich wundere mich, wo sie die hier wohl kauft!” Sprach´s,
nimmt den Hörer in die Hand und ruft seine Frau an. Danach verkündet er stolz,
dass es auf Arran sogar 2 Läden für Wolle gäbe. Ohne den eigenen Landsleuten
Unrecht tun zu wollen: in unseren Breiten hätte man auf diese Frage vermutlich
ein “Weiß ich nicht!” und das war´s geerntet, wie der weitere Verlauf der
Geschichte noch zeigen wird.
Wir fahren, nachdem wir in der Arran-Distillery eine Geschenkpackung Whisky erworben haben, aufgrund der Empfehlung also entlang der Küste und dann etwas ins Landesinnere nach Balmichael zu einem Visitor-Center (eigentlich ein Bauernhof mit ein paar kleineren Läden) und die Beste aller Ehefrauen erfährt dort, dass nicht Arran bei Schottland, sondern die Aran-Inseln bei Irland wohl das Stricknadelparadies seien. Auch nicht schlecht! Ich lache herzlich und wir gucken noch ein bißchen herum.


Übrigens scheint in ländlichen Gegenden Schottlands auch für Kinder Leinenpflicht zu gelten!

Wir fahren wieder Richtung Fähre, da wir
auf der Insel nicht übernachten wollen.
Auf dem Rückweg
nach Dalmally kommen wir an Inveraray und somit auch irgendwann an Kilchurn
Castele vorbei und ich mache noch rasch ein paar Fotos. (wer weiß...)


Das
Abendessen findet wiederum im Glen Orchy Lodge statt. Es gibt ausgesprochen
leckere Hühnchenbrust mit allerlei Gemüsebeilagen und einen vegetarischen
Burger (letzteren natürlich nicht für mich…)
7.
Reisetag, Eilean Donan Castle und ein kleines Bisschen Skye
Wir sind
diesmal frühzeitig aus den Federn und fahren über Oban nach Fort William und
dann Richtung Nord-Westen. Und wer der Meinung ist, er habe mit Glencoe schon
ein großes Tal in Schottland gesehen und sei nun beeindruckt genug, der soll
ruhig die Fähre nach Skye nehmen. Da ich bekanntermaßen kein großer Sailor bin
und somit nicht sonderlich auf lange Fährüberfahrten stehe, wähle ich für
uns den Weg über das Land und die Brücke nach Skye. Herrschaften! Und dieser
Weg hat mindestens 2 Anblicke, die man nicht verpaßt haben sollte: Das Glen Garry und Eilean Donan
Castle.
Die Straße führt auf einige hundert Meter hoch über Glen Luaine nach Glen Garry und rund herum stehen jede Menge Berge deutlich über 1000m hoch. Von hier oben hat man geradezu atemberaubende Ausblicke auf die Landschaft unter einem (u.a. Loch Cluanie und Loch Luaine, an dessen Ostseite sich eine große Staumauer befindet).
Hoch oben
im Glen Luaine befindet sich übrigens ein Parkplatz, an dem irgendwann
irgendwer ein Steinmännchen gebaut hat. Und Hunderte haben es ihm nachgetan.




Eilean
Donan Castle dürfte denjenigen zumindest optisch bekannt sein, die sich noch an
den Film “Highlander - Es kann nur einen geben” erinnern. Dieses Castle ist zwischen
1913 und 1933 von einem LtCol McBrae nach Originalplänen wieder aufgebaut
worden und unbedingt eine Besichtigung wert. Das Castle liegt - wie die meisten
schottischen Burgen - malerisch an einem Loch herum und ist schon von Weitem -
u.a. durch die Brücke davor, seine Größe und die Landschaft dahinter -
schlichtweg der Hammer. Wir besichtigen das gute Stück und schießen natürlich
ohne Ende Fotos. Leider ist zur Zeit gerade Ebbe, und da Loch Alsh und Loch
Dutch direkte Verbindung zum Meer haben, sind sie von den Gezeiten natürlich
betroffen, aber der Anblick ist trotzdem grandios.




Nach der
Besichtigung geht es weiter über die Skye-Bridge auf die Insel Skye, wo wir
allerdings leider nicht lange bleiben können, weil es spät geworden ist. Immerhin aber lang genug, um in
der King Haakon Bar für das nächste Jahr einen Gig zu vereinbaren. Dieses
Schottland ist einfach unglaublich!


Auf dem Rückweg
geht es wieder durch das Glencoe und somit auch wieder durch Glen Orchy. Leider
regnet es inzwischen etwas stärker, sodass Fotos kaum Sinn machen. Im Glen
Orchy gelingt es mir aber immerhin, recht beeindruckende Bilder von
Stromschnellen und Wasserfällen des Orchy Rivers zu machen. Ich beschließe
jedenfalls: Irgendwann nehme ich mir mal einen ganzen Tag für eine Wanderung
durch Glen Orchy Zeit…



8.
Reisetag, Oban
Abgesehen
von einigen Stops zum Fotografieren besonderer Motive ist heute eher Shopping-
als Sightseeing-Tag. Oban ist nach wie vor eine sehr hübsche Hafenstadt mit Fährverbindung
zu den Hebriden und recht netten Einkaufsmöglichkeiten.

Hier gibt
es auch einen hervorragenden Whiskyladen und ich komme endlich dazu, meiner
Sammlerleidenschaft zu frönen. Seit geraumer Zeit kaufe ich nämlich immer von
jeder Sorte 2 kleine Flaschen: Eine zum Trinken und eine zum Sammeln. 1 Flasche
des guten Oban-Whisky besaß ich schon (grins), und jetzt kommen noch Aberlour
und ein Whisky von der Insel Islay dazu. Wenn ich dann irgendwann mal alt und
grau bin, pfeif ich mir dann die gesammelten Werke in die Birne, eh ich sie womöglich
vererben muß…
Auch der
mittlerweile schon traditionelle Besuch (immerhin bin ich schon zum 2. Mal in
Oban) im Musikladen Oban Music darf nicht fehlen und auch dort kaufe ich ein
paar Kleinigkeiten ein. Um Haaresbreite wäre eine sehr nette Gitarre noch die
meine gewesen, aber der Platz im Auto ist nun mal begrenzt.
Ansonsten
decken wir uns in diversen Gift-Shops mit den noch fehlenden Geschenken ein und
fahren in strömendem Regen Richtung Dalmally. Ok, Leute, der Urlaub ist
regendurchsetzt! Und? Wäre ich zum Sonnenbaden nach Cran Canaria geflogen und hätte
solches Wetter, wäre ich vermutlich etwas angeknatscht. In Schottland habe ich
schon letztes Jahr mit schlechtem Wetter gerechnet, allerdings enormes Glück
gehabt. Dieses Jahr erhalte ich das typische Wetter und die Ausblicke auf die
Landschaft sind dennoch grandios. Ich bin schlichtweg begeistert. Nachmittags
gelingt es mir erstmals, Verbindung mit der Außenwelt über das Internet
aufzunehmen. Wahrscheinlich wäre das schon früher möglich gewesen, wenn ich
einfach an der Rezeption nach dem Code für die WLAN-Verbindung gefragt hätte.
Aber es ging ja auch ohne.
9.
Reisetag, Killin und Stirling
Wir
schlafen ziemlich lange und beschließen, nur einen kurz den Ausflug nach
Crianlarnig. Dort gibt es aber nichts zu besichtigen, deshalb fahren wir weiter
nach Killin zu den fabelhaften Falls of Dochart. Da es in den letzten Tagen
bekanntlich reichlich geregnet hat, führt der Dochart reichlich Wasser und die
Falls sind umso beeindruckender. Man kann über - zugegebenermaßen recht schlüpfrige
- Steine recht nahe an die Wasserfälle heran. Dort herrscht ein unglaubliches
Getöse.







Wir besichtigen in der Nähe noch einen eher unscheinbaren Steinkreis und fahren dann weiter nach Stirling, um uns die Altstadt anzusehen. Auf dem Weg dorthin sehen wir wieder den Wegweiser zu Rob Roy´s Grave. Kurzer Geschichtsunterricht: Robert MacGregor wird als der schottische Robin Hood gefeiert, war aber wohl, wenn man den Aufzeichnungen glauben darf in erster Linie ein Rinderhändler und später ein Viehdieb, der versucht hat, seinen Nachbarn Schutz vor anderen Rinderdieben zu verkaufen (was dann aber wohl nicht so recht funktioniert hat)
Dieses Grab hatten wir letztes Jahr nicht gefunden, weil wir zu früh umgedreht hatten. Dieses Mal fahren wir weiter und finden tatsächlich den Friedhof. Gute Güte, ich fange an, Grabsteine und Gräber zu fotografieren!!! Sollte ich mir Sorgen machen?



In
Stirling besichtigen wir ein wenig die Altstadt. Das Wetter ist nicht berauschend, aber wenigstens
regnet es nicht. Kurz vor der Rückfahrt finden wir noch einen Wolleladen und
ich strolche noch ein wenig zum Fotografieren herum.
10.
Reisetag, Tyndrum
Weil man
nicht jeden Tag stundenlang durch die Gegend fahren kann, bleiben wir heute im
Basislager und fahren am späten Nachmittag nach Tyndrum, wo der 1. Auftritt für
die GL-Hotels stattfinden wird. Paddy´s Pub ist wirklich ein sehr lustiger und
gemütlicher Ort und bereits nachmittags ist es dort recht voll, was wohl daran
liegt, dass auch das Essen hier sehr gut und relativ preiswert ist. Tyndrum
liegt direkt am Westhighlandway an der Gabelung Oban/Fort William.

Die
Bedienungen und der Manager im Paddy´s sind supernett und wir vereinbaren, dass
ich gegen 19 Uhr mit dem Aufbau beginne. Daraus wird dann allerdings nichts,
weil der Billardtisch, der dazu zunächst weggeschoben werden muß, von 2 jungen
Schotten belegt ist, die es überhaupt nicht eilig haben, ihr Spiel zu beenden
und danach einfach noch eine Partie spielen. Macht nix, ich hab Zeit. Der
Manager wird deswegen schon etwas unruhig, wird aber ganz offensichtlich von den
Burschen überhaupt nicht ernst genommen, die dann noch eine dritte Partie
beginnen

Endlich
kann es mit dem Aufbau losgehen und es wird ein recht munterer Abend mit einem
sehr netten Publikum.

11.
Reisetag, Balloch und Taynuilt
Heute ist
also der Tag, auf den ich mich schon das ganze Jahr gefreut habe: Folkfestival
in Balloch am Loch Lomond!
Wir fahren so gegen 10 bei strahlendem Sonnenschein in Dalmally los, weil wir uns vor dem Auftritt in Balloch noch gründlich umsehen wollen. Die Fahrt entlang des Loch Lomond ist ziemlich zeitraubend, weil die A 98 streckenweise sehr eng ist und am Samstag vormittags sehr viel Verkehr herrscht. Besonders spaßig wird es, wenn sich Reisebusse mit anderen Bussen oder Caravan-Gespannen begegnen. Naja, wir haben ja genügend Zeit eingeplant und kommen nach einem Tankstopp in Alexandria so gegen kurz nach 11 in Balloch an. Der erste, den wir treffen ist Stewart Davidson, der Organisator, und wir halten ein kurzes Schwätzchen. In diesem Jahr findet das Festival zum 10. Mal statt und alles ist einen Tick größer angelegt.



Diesmal
hat auch der Instrumentenhändler halbwegs vernünftige Ware mit, sodass es sich
lohnt, etwas länger an seinem Stand zu bleiben.
Der
Percussion-John vom letzten Jahr ist dieses Mal leider nicht dabei, dafür aber
ein sehr netter Moderator namens John. Auch nicht schlecht, dann muß man sich
nicht so viele unterschiedliche Namen merken. Die Herren vom Sound erkennen mich
wieder und wissen sogar noch meinen Namen!


Mittlerweile hat sich eine recht illustere Truppe von Herren im Kilt mit recht großen Trommeln vor der Bühne versammelt. Dabei handelt es sich um “Clanadonia“, die sich auf recht muntere Weise mit Tribal Drumming beschäftigen. Sie sind sozusagen der Auftakt für das Open Stage Event und machen mächtig Dampf auf der Bühne. Der Platz davor hat sich bereits ziemlich gefüllt.








Nach Ihnen tritt das Duo CountryFolk auf. Während die Beiden ihre Traditionals zum Besten geben, kommt John auf mich zu und fragt, ob ich statt um 15 Uhr eventuell bereits nach dem Duo auftreten kann, weil die geplante Band sich verspäten würde. Klar, mach ich das.





So spiele ich also statt um 15 Uhr bereits um 13
Uhr. Da der Platz aber schon brechend voll ist, macht das nun wirklich nichts
aus und bereits nach dem 2. Lied singen wieder alle aus voller Kehle mit.
Erwartungsgemäß entsteht beim letzten Lied, nämlich “Loch Lomond” wieder
absolute Gänsehaut-Athmosphäre. Und das Wetter hält sich ausgezeichnet. Nach
mir spielt eine Band von 6 Jugendlichen, die sich wirklich großartig anhören.
Danach erscheinen 3 Herren und eine Dame auf der Bühne mit 2 Gitarren und
Kontrabass. Aus irgendeinem nicht klaren Grund bekommen die Tontechniker dieses
Setup nicht in den Griff und so vergeht über eine halbe Stunde mit Feedbacks
und erneuten Versuchen, den Sound geregelt zu bekommen. Aber entweder koppelt es
oder irgendjemand ist nicht zu hören. Die Band ist sichtlich genervt.
Nach
meinem Auftritt spricht mich ein junger Mann an und fragt, ob ich eventuell
eines seiner Gedichte vertonen könnte. Es handelt sich hierbei um einen
gewissen Rolf Campbell, einen sehr netten Poeten aus Dumbarton. Er übergibt mir
ein kleines Buch mit unlängst veröffentlichten Werken und ich verspreche ihm,
dass ich mich um die Musik kümmern werde. Na, das kann ja wirklich eine sehr
fruchtbare Zusammenarbeit werden, zumal ich ohnehin sehr faul beim Texten bin.
Anschließend
werde ich noch zu einem Interview in den “Sendewagen” von “Celtic Music
Radio” gebeten, einem nationalen Sender, der sowohl über Internet-Streams als
auch über UKW-Frequenzen sendet. Die sind ganz aus dem Häuschen, dass jemand
aus dem fernen Germany zu ihnen nach Schottland kommt um hier Musik zu machen.
Anschließend spielen sie noch einen Song von meiner Live-CD. Die machen mich
hier noch berühmt, die Schotten!!!
Die Rückfahrt
nach Dalmally gestaltet sich ähnlich zäh wie die Hinfahrt, weil unglaublich
viel los ist auf der Uferstraße.
Abends
findet dann der Auftritt im GL-Hotel in Taynuilt statt. Leider verduften die
meisten Leute direkt nach dem Essen, sodass ich vor einem eher übersichtlichen
Publikum spiele, die aber dennoch ganz offensichtlich viel Spaß haben.
12.
Reisetag, Tyndrum
Nach
einem weiteren Ruhetag mit nicht sonderlich schönem Wetter fahre ich
nachmittags nach Tyndrum,. weil ich mit dem Manager vereinbart hatte, dass ich
eventuell schon am Nachmittag im Restaurant des Hotels spielen soll.
In
Tyndrum angekommen sehe ich allerdings, dass der Plan geändert wurde und ich
wohl doch abends im Paddy´s spielen soll. Jedenfalls hängen wieder überall
Poster, die mich für “9 pm til late” ankündigen.



Colin an der Deger-Pipe
Ich baue
am frühen Abend auf und komme dann mit einem Herren mittleren Alters namens
Collin ins Gespräch, wobei sich herausstellt, dass er wohl recht gut mit der
Bagpipe umgehen kann. Und er besitzt eine Deger-Pipe, also einen elektronischen
Dudelsack (übrigens made in Germany by Manfred Deger!). Irgendwann läßt er
sich dann auch kurz nach Hause fahren und holt das Ding, sodass wir eine ganze
Reihe von Tunes zusammenspielen.
Der Gig
wird absolut klasse, der Pub füllt sich ordentlich und die Leute haben Spaß
und tanzen. Nikki und Alan, die freundlichen Leute hinter dem Tresen, machen
fabelhafte Bilder. Vielen Dank dafür! Gegen halb 1 spiele ich das letzte Lied,
“last order” wird ausgerufen und ein supertoller Abend geht zu Ende.








13.
Reisetag, Edinburgh
Wir
fahren zurück nach Edinburgh, natürlich nicht, ohne auf dem Weg dorthin
Doune-Castle inspiziert zu haben. In diesem Castle ist mal der Film „Monty
Python and the holy grale“ gedreht worden. Auch ganz nett dort, insbesondere,
wenn man so selten Burgen zu sehen bekommt...


Kurzer Blick auf die schottisch-mittelalterliche Art zu sagen: "Du kumms hier nich rein!"
Wir
kommen am frühen Nachmittag in Edinburgh an und bummeln noch ein wenig durch
ein Einkaufszentrum, bis wir dann schließlich bei Tom und Jane aufschlagen.
Abends
fahren wir in eine nahegelegene Kneipe und treffen dort Bob, einen sehr
sprachgewandten Burschen, der Tom wohl sehr häufig beim Texten hilft.
Wir haben
reichlich Spaß und lachen sehr viel, bevor es dann recht spät zu den Fairnies
nach Hause geht.
14.
Reisetag, Rückreise
Ich mache mich um 9 Uhr auf die Socken Richtung Süden, präzise nach Dover. Aus unerklärlichen Gründen geht auch mein Navi wieder. Vielleicht wollte es auch einfach nur Urlaub machen nach dem anstrengenden Jahr mit mir im Auto... Ich zeige mich gönnerhaft und nehme es wieder in den Kreis der nützlichen Geräte auf.
Nach recht lebhaftem Autoverkehr und mehreren Staus komme ich gegen 19 Uhr in Dover an. Am mißlichsten erwies sich der ziemlich nervige Stau an der Darford Bridge in London, weil dort Maut kassiert wird. und das macht in der Rush Hour so gar keinen Spaß.
Ich denke kurz darüber nach, den Eurotunnel von Folkstone nach Calais zu nehmen und erfahre dann am Schalter, dass eine einfache Fahrt für eine Person + Auto 115 Pfund (also so knapp 140 EUR) kostet. Ich bedanke mich recht herzlich und fahre grinsend 5 km weiter zum Fährhafen in Dover, wo ich mit der bewehrten Norfolkline für 80 EUR nach Dünkirchen gebracht werde. Klar, das dauert ungefähr eine Stunde länger, aber dafür ist man bei dem Preis auch eine ganze Ecke näher an Deutschland. Die Überfahrt ist im Gegensatz zur Hinfahrt sehr ruhig. Duty-Free-Einkäufe machen nicht sonderlich viel Sinn, da Zigaretten auf dem Kontinent ohnehin billiger sind. Naja, und ich und Parfüm????
Auf der Rückfahrt durch Belgien stelle ich fest, dass es dort zwar feines Licht auf den Autobahnen gibt, die Straßenbeläge allerdings schon mal zum Verlust von Zahnersatz führen können. Mein lieber Mann, selbst bei den vorgeschriebenen 120 Stundenkilometern hat das was von Rübenacker!